Akne und Rosacea zählen zu den häufigsten entzündlichen Hauterkrankungen, denen Dermatolog:innen und Kosmetiker:innen in ihrer täglichen Praxis begegnen. Beide Erkrankungen gehen weit über ein rein ästhetisches Problem hinaus: Sie können das Selbstwertgefühl, das soziale Verhalten und die allgemeine Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Beide erfordern individualisierte Behandlungskonzepte und profitieren erheblich von einer engen Zusammenarbeit zwischen Dermatologie und professioneller Kosmetik. Während die medizinische Therapie gezielt auf die Erkrankung und ihre zugrunde liegenden Prozesse einwirkt, kann die professionelle Kosmetik die Behandlung sinnvoll begleiten und zur Stabilisierung des Hautzustands beitragen. Die professionelle Kosmetik ist keine Konkurrenz zur medizinischen Therapie, sondern eine wichtige Ergänzung im langfristigen Behandlungskonzept.
Was Dermatolog:innen und Kosmetiker:innen leisten können, wo professionelle Abgrenzung erforderlich ist und wo Synergien entstehen, erläutern die Dermatologinnen Dr. med. Christine Schrammek-Drusio und Christina Drusio in diesem Artikel anhand konkreter Praxisbeispiele:
Die medizinische Behandlung, etwa mit topischen oder systemischen Retinoiden, Antibiotika oder anderen antientzündlich wirksamen Arzneimitteln, ist je nach Erkrankung und Ausprägung ein zentraler Bestandteil der Therapie. Einige medizinische Therapien können jedoch die Haut zusätzlich beanspruchen und beispielsweise Trockenheit, Irritationen oder eine Beeinträchtigung der Hautbarriere begünstigen. Genau hier setzt die kosmetische Begleitung an: Eine gut abgestimmte Pflege kann die Verträglichkeit der ärztlichen Therapie verbessern, zur Therapietreue beitragen und nach Abklingen der akuten Entzündung bei der Regeneration des Hautbildes unterstützen.
Akne und Rosacea – Unterschied: Auch wenn sich beide Erkrankungen in ihrem Erscheinungsbild ähneln können, z.B. durch gerötete Haut, Pusteln oder Papeln, unterscheiden sie sich in Entstehungsmechanismen, Verlauf und typischen klinischen Merkmalen deutlich:
- Akne entsteht durch das Zusammenspiel von übermäßiger Talgproduktion, einer Verhornungsstörung im Talgdrüsenfollikel, der Besidelung mit Cutibacterium acnes und Entzündungsprozessen. Sie tritt klassischerweise in der Pubertät auf, kann sich aber auch im Erwachsenenalter erstmals zeigen oder fortbestehen (Acne tarda). Typisch sind Komedonen, Papeln, Pusteln und je nach Schweregrad auch entzündliche Knoten. Im Verlauf können atrophe Aknenarben zurückbleiben.
- Rosacea ist dagegen eine eigenständige chronisch-entzündliche Hauterkrankung, bei der insbesondere immunologische und neurovaskuläre Prozesse eine Rolle spielen. Klinisch zeigen sich vor allem vorübergehende oder anhaltende Rötungen im Gesicht, sichtbare Äderchen (Teleangiektasien) sowie entzündliche Papeln und Pusteln. Ein wichtiges Abgrenzungsmerkmal zur Akne ist das typische Fehlen von Komedonen. Die Erkrankung betrifft meist Erwachsene im mittleren bis höheren Lebensalter. Sie tritt häufiger bei hellen Hauttypen (Fitzpatrick I und II) auf, wobei dunklere Hauttypen möglicherweise unterdiagnostiziert sind, da Hautrötungen weniger auffällig erscheinen können. Frauen sind insgesamt häufiger betroffen, während ausgeprägte Gewebeverdickungen, insbesondere an der Nase, häufiger bei Männern auftreten. Schübe können durch individuelle Trigger wie UV-Strahlung, Wärme, Alkohol oder bestimmte Nahrungsmittel verstärkt werden.
Für die kosmetische Praxis bedeutet das: Beide Krankheitsbilder erfordern eine individuell abgestimmte Herangehensweise. Während eine reizarme, die Hautbarriere stärkende Pflege bei beiden sinnvoll ist, müssen weiterführende Wirkstoffe und kosmetische Maßnahmen gezielt an das jeweilige Beschwerdebild angepasst werden.
Praxisbeispiele aus der interdisziplinären Zusammenarbeit
a) Akne unter Retinoidherapie: Hautbarriere in der Kosmetik stärken
Topische Retinoide zählen zu den zentralen ärztlichen Therapieoptionen der Akne; bei ausgeprägten Verläufen kann orales Isotretinoin zum Einsatz kommen [1]. Sowohl topische Retinoide als auch orales Isotretinoin können Hautirritationen, Trockenheit und Rötungen begünstigen und die bei Akne häufig bereits beeinträchtigte Hautbarriere zusätzlich belasten.
Genau hier zeigt sich der Wert der kosmetischen Begleitung: Eine milde, nicht komedogene und rückfettende Pflege mit barrierestärkenden Inhaltsstoffen wie Ceramiden und Niacinamid kann dazu beitragen, Trockenheit und Spannungsgefühl unter der Therapie zu lindern. Ein weiterer positiver Effekt: Begleitende geeignete kosmetische Pflege kann zu einer besseren Therapietreue führen: Wer weniger unter Nebenwirkungen leidet, bricht die ärztlich verordnete Behandlung seltener vorzeitig ab.
Empfohlene kosmetische Routine während der Therapie:
- Gründliche, aber hautschonende Reinigung, abgestimmt auf den jeweiligen Hautzustand. Sie sollte überschüssigen Talg, Schmutz und Sonnenschutz zuverlässig entfernen, ohne die Haut stark auszutrocknen oder zusätzlich zu irritieren
- Ein auf den Hautzustand abgestimmtes Gesichtstonic, je nach Bedarf beruhigend und feuchtigkeitsspendend oder klärend und sebumregulierend, z. B. mit Niacinamid, Zinc PCA oder Allantoin.
- Nicht komedogene, rückfettende Feuchtigkeitspflege mit barrierestärkenden Inhaltsstoffen
- Konsequenter Sonnenschutz am Morgen (mindestens Lichtschutzfaktor 50), da die Haut unter Retinoid-Therapie empfindlicher gegenüber UV-Strahlung und durch die beeinträchtigte Hautbarriere zusätzlich reizanfällig sein kann
b) Nach der Akutphase: Umgang mit PIH, PIE und Aknenarben
Ist eine akute Entzündung durch die ärztliche Therapie weitgehend unter Kontrolle, können dennoch sichtbare Spuren zurückbleiben: postinflammatorische Hyperpigmentierungen (PIH), postinflammatorische Erytheme (PIE) oder Aknenarben. Diese Veränderungen können die Betroffenen weiterhin deutlich belasten und erfordern je nach Befund unterschiedliche Maßnahmen. Wichtig für die Praxis ist dabei die Unterscheidung: PIE und PIH sind postinflammatorische Farbveränderungen der Haut, während Aknenarben eine strukturelle Veränderung des Gewebes darstellen. Je nach Ausprägung kommen unterschiedliche dermatologische und kosmetische Maßnahmen infrage.
Kosmetisch begleitbare Maßnahmen bei postinflammatorischen Hautveränderungen:
- Konsequenter, hoher Sonnenschutz, um eine Verstärkung der Pigmentierung zu vermeiden
- Je nach Hautzustand oberflächliche chemische Peelings oder kräuterbasierte Schälverfahren
- Pigmentausgleichende und entzündungsmodulierende Pflegewirkstoffe, z. B. Niacinamid sowie bei gereizter oder empfindlicher Haut ergänzend beruhigende Wirkstoffe (z.B. Panthenol, Allantoin oder Aloe Vera)
Maßnahmen bei Aknenarben:
Bei tieferen atrophen Aknenarben kommen je nach Narbentyp und Ausprägung unterschiedliche Verfahren infrage. Dazu zählen in der Kosmetik beispielsweise chemische Peelings und Microneedling sowie ärztliche Verfahren wie TCA-CROSS (punktuelle Säurebehandlung atropher Narben) oder fraktionierte Laser. Je nach Befund können ergänzend auch ästhetische Verfahren wie Hyaluronsäure-Filler eingesetzt werden. Da unterschiedliche Narbentypen häufig verschiedene Behandlungsansätze erfordern, werden die Verfahren oftmals gezielt miteinander kombiniert. Intensivere Peeling- und Laserbehandlungen werden aufgrund des Risikos postinflammatorischer Pigmentveränderungen bevorzugt in den sonnenärmeren Monaten durchgeführt [2]. Nach intensiveren Verfahren sind eine reizarme, die Hautbarriere unterstützende Pflege und konsequenter Sonnenschutz besonders wichtig.
c) Rosacea: medizinische Therapie und kosmetische Begleitung
Die medizinische Behandlung der Rosacea richtet sich nach den jeweils vorherrschenden Symptomen. Bei entzündlichen Papeln und Pusteln kommen beispielsweise topische Wirkstoffe wie Metronidazol, Azelainsäure oder Ivermectin zum Einsatz. Bei stärker entzündlich geprägten Verläufen kann niedrig dosiertes Doxycyclin eingesetzt werden. In dieser subantimikrobiellen Dosierung steht nicht die antibakterielle, sondern die antientzündliche Wirkung im Vordergrund. Bei persistierenden Rötungen und sichtbaren Gefäßveränderungen können ergänzend licht- und laserbasierte Verfahren wie IPL eingesetzt werden [4].
Auf kosmetischer Seite stehen die Stabilisierung der Hautbarriere und eine antientzündlich ausgerichtete Pflege im Vordergrund. Ergänzend gilt es, individuelle Trigger und unnötige Reize zu vermeiden und die Haut zu beruhigen:
- Vermeidung mechanischer und thermischer Reize, z.B. aggressive Peelings, sehr warmes Wasser, starke mechanische Massage
- Antientzündliche, antioxidative und gefäßunterstützende Pflegewirkstoffe, z. B. Centella asiatica, Vitamin C oder Zinkverbindungen. Ergänzend können rötungsmindernde Wirkstoffe eingesetzt werden.
- Konsequenter Breitband- Sonnenschutz, da UV-Strahlung ein wichtiger Rosacea-Trigger ist
Getönte oder farbkorrigierende Spezialpflege mit pflegenden Wirkstoffen: grüne Pigmente können Rötungen optisch neutralisieren, hauttonanpassende Pigmente den Teint ausgleichen
Die kosmetische Fachkraft übernimmt hier eine wichtige Rolle in der Beratung zu geeigneten, nicht reizenden Produkten und kann helfen, individuelle äußere Trigger im Alltag zu identifizieren, während die medizinische Behandlung der akuten, entzündlichen Symptome in ärztlicher Hand bleibt.
d) Ernährung als ergänzender Beratungsansatz bei Akne und Rosacea
Auch die Ernährung rückt zunehmend in den Fokus der Forschung zu entzündlichen Gesichtsdermatosen. Studien deuten darauf hin, dass eine Ernährung mit niedrigerem Blutzuckeranstieg das Hautbild bei Akne innerhalb weniger Wochen verbessern kann. Auch eine erhöhte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren zeigte in Untersuchungen positive Effekte [3].
Bei Rosacea ist der Zusammenhang mit der Ernährung komplexer und die Studienlage noch dünner. Diskutiert wird unter anderem ein möglicher Einfluss der Darmflora, da bei Rosacea-Betroffenen eine geringere bakterielle Vielfalt im Darm beobachtet wurde [3]
Auch in diesem Bereich kann die Kosmetikerin durch eine fundierte Beratung unterstützen. Voraussetzung ist entsprechendes Fachwissen, das durch gezielte Fortbildungen vertieft werden kann. So können beispielsweise bei Akne hochglykämische Lebensmittel oder Milch- und Molkeprodukte thematisiert werden, während bei Rosacea stärker auf mögliche individuelle Trigger geachtet werden sollte.
Die wissenschaftliche Evidenz zum Einfluss der Ernährung auf Akne und Rosacea ist bislang begrenzt. Entsprechende Empfehlungen sollten daher als sinnvolle unterstützende Ergänzung und nicht als Ersatz für eine medizinische Behandlung verstanden werden.
Fazit
Die Beispiele zeigen: Gerade bei Akne und Rosacea kann eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Dermatologie und professioneller Kosmetik einen entscheidenden Mehrwert schaffen. Während die medizinische Therapie gezielt auf die Erkrankung und ihre entzündlichen Prozesse einwirkt, unterstützt die kosmetische Begleitung dabei, die Hautbarriere zu stabilisieren, das Hautbild zu verbessern und die Haut langfristig in Balance zu halten. Entscheidend ist dabei nicht ein Entweder-oder, sondern das sinnvolle Zusammenspiel beider Disziplinen, individuell abgestimmt auf Hautzustand, Krankheitsphase und Bedürfnisse der Betroffenen.
Quellen
- Augustin M, Dirschka T, Gerber PA, Kerscher M, Kirsten N, Ochsendorf F. Acne tarda: Empfehlungen zu Einordnung, Therapie und Pflege als Ergebnis einer Expertendiskussion. J Dtsch Dermatol Ges. 2026;24:11–23.
- Benckendorff A. Aknenarben – multimodale Therapiekonzepte ausschöpfen. Ästhet Dermatol Kosmetol. 2026;18:24–25. doi:10.1007/s12634-026-3164-8.
- von Kieseritzky K. Einfluss des Essens bei Akne und Rosazea. Hautnah Dermatol. 2025;41:71–73. doi:10.1007/s15012-025-8789-1.
- Menashe S, Bermejo IG, Lois M, Molinari LM, Reig MI. Effective treatment of rosacea and telangiectasias using IPL. J Cosmet Dermatol. 2025;24:e70357.