Narben entstehen infolge tieferer Hautverletzungen im Rahmen der Wundheilung. Je nach Tiefe der Verletzung, sowie individuellen Faktoren (Hautbeschaffenheit, Veranlagung, Lokalisation) und Nachsorge können sie flach und unauffällig oder erhaben, gerötet und ästhetisch störend ausfallen.

Kosmetikerinnen übernehmen im nicht-medizinischen Bereich eine wichtige Rolle bei der begleitenden Narbenpflege und Unterstützung der Hautregeneration. Dabei gilt klar: Kosmetik begleitet – Medizin behandelt.

Kosmetische Behandlungen können die Narbenreifung begleiten, jedoch ausschließlich an vollständig abgeheilten, schmerzfreien und reizlosen Narben. Die Versorgung frischer, entzündeter oder schmerzhafter Wunden sowie invasive Verfahren (Injektionen, Laser, medizinisches Needling) sind ärztliche Aufgaben.

Narbenbildung: Narben entstehen nur, wenn die Haut mindestens bis in die Dermis verletzt wird und das Gewebe durch narbiges Bindegewebe ersetzt wird (s. Kasten). Oberflächliche Verletzungen der Epidermis heilen narbenfrei ab.

Kasten: Kurzbeschreibung Wundheilung einer Narbe:

  1. Absonderungs- bzw. Exsudationsphase: Blut und Gewebsflüssigkeit reinigen die Wunde, die Gerinnung stoppt die Blutung und Fibrin („Wundverschluss-Eiweiß“) verschließt sie provisorisch.
  2. Reinigungs- bzw. Resorptionsphase: Abwehrzellen entfernen Gewebetrümmer und Keime und leiten die Reparatur ein.
  3. Vermehrungs- bzw. Proliferationsphase: Bindegewebszellen bilden Kollagen, neue Gefäße wachsen ein, Granulationsgewebe entsteht.
  4. Reparatur- bzw. Epithelisierungsphase: Das Gewebe festigt sich, die Wundoberfläche schließt sich – es entsteht eine Narbe.

Narbengewebe unterscheidet sich deutlich von gesunder Haut: Die Kollagenfasern verlaufen parallel, elastische Fasern fehlen weitgehend. Die Narbe ist weniger elastisch und besitzt keine Haare, Pigmentzellen, Talg- oder Schweißdrüsen. Auch nach Abschluss der Wundheilung finden weiterhin Umbauprozesse statt: Kollagenfasern verdichten sich, die Narbe kann schrumpfen oder verhärten, die Durchblutung nimmt ab. Anfangs rötliche Narben verblassen.

Man unterscheidet atrophe, hypertrophe Narben sowie Keloide, wobei sich die Behandlung stets an der Narbenform orientiert. Auch der Reifegrad (reif vs. unreif) spielt eine Rolle.

Reife Narben sind blass, im oder minimal oberhalb des Hautniveaus, weich und schmerzlos. Unreife Narben sind noch leicht erhaben, gerötet und können jucken. Abhängig von individueller Disposition, Lokalisation, Ursache und Heilungsverlauf können jedoch auch auffälligere Narben entstehen.

  • Atrophe Narben liegen unter Hautniveau und entstehen durch Gewebeverlust/ unzureichende Kollagenbildung während der Wundheilung. Typische Beispiele sind Akne- oder Windpockennarben. Man unterscheidet schmale tiefe „ice-pick“, ausgestanzte „boxcar“ und breitere „rolling“ Narben. Sie entstehen v.a. nach entzündlicher, teils tiefer Akne und treten vor allem im Gesicht und am Rücken auf.
  • Hypertrophe Narben sind erhaben, teils wulstig, gerötet und auf das Verletzungsareal begrenzt. Sie entstehen durch einen überschießenden Heilungsprozess mit vermehrter Bindegewebsbildung, begünstigt durch Zugspannung, verzögerte Wundheilung oder Entzündungen. Juckreiz, Schmerzen und funktionelle Einschränkungen – insbesondere an Gelenken – sind möglich. Eine spontane Rückbildung ist zwar möglich, aber selten.
  • Keloide wachsen über die ursprüngliche Wunde hinaus. Sie sind derb, wulstig, rötlich bis bräunlich, häufig schmerzhaft oder juckend. Sie treten bevorzugt bei genetischer Veranlagung und dunkleren Hauttypen auf, häufig an der oberen Körperhälfte (prästernal, Schulterregion/oberer Rücken, Oberarme, Ohrläppchen) und gehören immer in ärztliche Behandlung. Im Gegensatz zu hypertrophen Narben wachsen sie fortschreitend.

Eine vollständige Entfernung von Narben ist kosmetisch nicht möglich. Ziel ist eine sichtbare und fühlbare Verbesserung durch Förderung der Regeneration, Erhöhung der Elastizität, Reduktion von Verhärtungen und Spannungsgefühlen sowie optische Verfeinerung des Hautbildes. Je früher nach Wundverschluss, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Keloide gehören immer in die Hand von Dermatologen!

Kosmetisch stehen z.B. manuelle Techniken wie Narbenmassage oder Lymphtechniken zur Verfügung. Sie unterstützen die Durchblutung und den Stoffwechsel, verbessern die Elastizität des Narbengewebes und reduzieren Stauungen und Spannungsgefühle. Apparativ gilt: nicht-invasiv und erst nach vollständigem Wundverschluss.

Ultraschall arbeitet mit hochfrequenten Schallwellen, die im Gewebe Mikrovibrationen und Wärmeeffekte erzeugen. Der durchblutungsfördernde Effekt und die Stimulierung des Stoffwechsels können dazu beitragen, das Gewebe und die Narbe zu lockern und geschmeidiger zu machen. Auch die Aufnahme regenerationsfördernder Wirkstoffe kann verbessert werden.

Peeling Behandlungen z.B. pflanzliche Schälkuren können die Regeneration des Narbengewebes unterstützen und das Narbenrelief glatter wirken lassen, sodass die Narbe flacher, weicher und weniger sichtbar erscheint. Jedoch sind nicht alle Schälmethoden (z.B. chem. Peelings) für Narbengewebe gleichermaßen geeignet.

Andere oberflächliche Verfahren, z.B. Mikrodermabrasion (Hautabschleifung) können oberflächliche, atrophe Narben optisch verbessern. Je nach Ausgangszustand sind wiederholte Behandlungen erforderlich.

Kosmetische Narbenpflege und Wirkstoffe: Bis zum Wundverschluss solange sich noch keine bleibende Narbe gebildet hat und noch feuchtes Granulationsgewebe vorliegt, unterstützt Panthenol den Wundheilungsprozess und das Feuchtigkeitsgleichgewicht. Ceramide stärken die Hautbarriere und Allantoin, Niacinamid, Ectoin und Madecassoside (Centella Asiatica) können die hauteigene Regeneration ankurbeln. Natürliche Öle wie Squalan halten das Narbengewebe geschmeidig und schützen vor Austrocknung, Urea kann Juckreiz lindern.

Da Narben keine Pigmentzellen besitzen, ist mindestens in den ersten drei Monaten ein konsequenter Lichtschutz (SPF 50) wichtig. Sonnenbrand und Folgekomplikationen (Hyperpigmentierung, Entstehung von Hautkrebs) müssen vermieden werden!

Ein hoher Stellenwert kommt Silikonpräparaten zu – als Gel/Creme oder Pflaster. Frühzeitig, regelmäßig und mindestens 3 Monate angewendet, können sie das Narbenbild sichtbar verbessern. Der abdichtende (okklusive) Film erhöht die Durchfeuchtung der Narbe und begünstigt so die Narbenreifung. Pflaster sollten möglichst durchgehend (bis auf das Duschen) getragen werden. Gel/Creme wird dünn aufgetragen. Tipp: Nicht einmassieren, da sonst der Silikonfilm über der Narbe aufreißt und die Wirkung verloren geht!
Als Alternative, z. B. an Gelenken, wo der Silikonfilm leichter durch Bewegung aufreißen kann, sind Präparate mit Allantoin, Heparin(-Natrium) und Zwiebelextrakt besser geeignet zur Narbenpflege.

Bei medizinischen Behandlungsmethoden können chirurgische Korrekturen Narben zwar verbessern, aber nicht vollständig entfernen. Eine Operation sollte erst nach Abschluss der Narbenreifung (meist frühestens nach 12 Monaten) erfolgen. Überschießende Narben erfordern eine klare Abgrenzung: Hypertrophe Narben sind häufig gut behandelbar, während Keloide wegen ihres hohen Rückfallrisikos – insbesondere nach operativen Eingriffen – deutlich zurückhaltender beurteilt werden. Daher wird die Therapie ärztlich individuell geplant – meist beginnend mit schonenden Verfahren und bei Bedarf mit intensiveren Methoden.

Kryotherapie bezeichnet die Vereisung mit flüssigem Stickstoff und wird häufig bei hypertrophen Narben eingesetzt. Nach dem Vereisen kann es zu Pigmentstörungen durch Zerstörung der kältesensiblen Melanozyten und zu leichter Blasenbildung kommen. Bis zum gewünschten Effekt sind in der Regel Wiederholungen im Abstand von etwa vier Wochen notwendig.

Kortikosteroide (Kortison) werden direkt in die Narbe gespritzt. Dadurch wird die Kollagenbildung gehemmt und die Narbe wird flacher. Eine Wiederholung sollte alle 4 Wochen erfolgen. Besonders gut wirkt dies bei hypertrophen Narben und aktiven, hellroten Keloiden. Bei Letzteren wird die Injektion häufig mit Kryotherapie kombiniert, da das Gewebe nach dem Vereisen vorübergehend ödematös ist und die Applikation erleichtert.

Laserverfahren haben einen zunehmenden Stellenwert in der Narbentherapie und werden je nach Narbentyp gezielt eingesetzt. Laserbehandlung bei Narbengewebe gehören in die Hände von Experten, denn zu aggressives Vorgehen kann sogar zu einer Verschlechterung der Narben führen.

Vaskuläre Laser (Gefäßlaser) z.B. gepulste Farbstofflaser (PDL) werden bei geröteten, überschießenden Narben und teils zur Vorbeugung bei noch frischen Narben eingesetzt. Durch das Veröden der kleinen Blutgefäße nimmt die Rötung der Narbe ab.  Zusätzlich kommt es zu einer Unterversorgung des Gewebes, was zu einem Abflachen der Narbe führen kann. Bei dunkleren Hauttypen ist die Wirksamkeit eingeschränkt; insgesamt werden meist moderate bis gute Effekte erreicht.

Ablative (abtragende) Laser, z.B. CO2-Laser oder Er:YAG-Laser kommen bei hypertrophen und reifen Narben sowie bei Aknenarben zum Einsatz. Ziel ist es, die Narbenfläche zu ebnen und wieder an das übrige Hautniveau anzugleichen. Der CO2-Laser kann durch seine thermische Wirkung zusätzlich die Gewebe-Neustrukturierung unterstützen, was die Narbenqualität sichtbar verbessern kann.

Weitere Kombinationsverfahren sind Laserbehandlung mit anschließender Eigenbluttherapie (PRP, plättchenreiches Plasma), durch die die Abheilungsprozesse und Behandlungsergebnisse optimiert werden. Oder die sogenannte Laser assisted drug delivery, (LADD), bei der die Wirkweise von Lasern mit dem anschließenden Auftragen von medizinischen oder kosmetischen Wirkstoffen kombiniert wird: Durch den Laser entstehen kleine Kanäle in der Haut, über die die Stoffe anschließend besser bzw. tiefer eindringen können.