Pigmentverschiebungen zu mindern, gehört zu den häufigsten Behandlungsanliegen in der kosmetischen und dermatologischen Praxis. Sonnenflecken und postinflammatorische Hyperpigmentierungen (PIH) sind sich auf den ersten Blick ähnlich, unterscheiden sich jedoch in der Entstehung, ihrem Risiko und in der Therapie deutlich. Im Interview erläutern die Dermatologinnen von Dr. med. Christine Schrammek Kosmetik, worauf es bei der Diagnose ankommt, welche Präventions- und Behandlungsmaßnahmen es gibt und wo Grenzen in der kosmetischen und ärztlichen Therapie liegen.

 

Wo liegen die Unterschiede zwischen Sonnenflecken und PIH und welche aktuellen diagnostischen Kriterien wenden Sie an?

Sonnenflecken entstehen durch chronische UV-Belastung. Sie sind meist scharf begrenzt, hell- bis dunkelbraun und sind typischerweise an sonnenexponierten Stellen wie Gesicht, Dekolletee und Handrücken zu finden. Postinflammatorische Hyperpigmentierungen (PIH) hingegen entstehen nach Entzündungen, z.B. nach Akne, Ekzemen, Verbrennungen, aggressiven Peelings, Laser/IPL oder Manipulationen. Die Form der PIH folgt hier dem vorausgegangenen Muster der Entzündung. Diagnostische Kriterien sind Anamnese, Verteilung, Farbe, Verlauf, Dermatoskopie. Bei unklaren oder atypischen Läsionen erfolgt die dermatologische Abklärung, um pigmentierte (melanozytäre) Läsionen wie beispielsweise eine frühe, nicht-invasive Form des schwarzen Hautkrebss (Lentigo maligna) auszuschließen.

 

Welche Hauttypen sind am stärksten betroffen, und wie verändert sich das Risiko mit dem Alter?

PIH kann alle Hauttypen betreffen, ist aber bei stärker pigmentierter Haut, etwa Fitzpatrick III–VI, häufiger, ausgeprägter und hartnäckiger, da die Melanozyten stärker auf Entzündungsreize reagieren. Sonnenflecken nehmen vor allem durch langjährige UV-Exposition und ab dem 40. Lebensjahr zu. Bei hellen Hauttypen (Fitzpatrick I und II) werden sie zudem früher und deutlich sichtbarer wahrgenommen.

 

Welche evidenzbasierten Behandlungsansätze empfehlen Sie als Dermatologinnen? Was gilt es bei der Behandlung zu beachten (was darf die Kosmetikerin nicht)?

Für den bestmöglichen Erfolg sind kombinierte (multimodale) Therapieoptionen sinnvoll: konsequenter Lichtschutz, topische Wirkstoffe, ggf. ärztliche Peelings, Laser oder IPL – abhängig von Diagnose, Hauttyp, Tiefe des Pigments und Entzündungsneigung. Im ärztlichen Bereich gewinnen dabei Pikosekundenlaser und der Thulium-Laser an Bedeutung. Während Pikosekundenlaser Pigmentpartikel gezielt fragmentieren, ermöglicht der Thulium-Laser winzige Mikrokanäle in der Haut, durch die topische Wirkstoffe wie Tranexamsäure tiefer eindringen können, mit guten Ergebnissen bei Melasma.

Bei PIH steht zunächst die Kontrolle der Ursache im Vordergrund, zum Beispiel Akne oder Ekzem. Medizinische Lasertherapie, spezifische Wirkstoffe (z.B. Retinoide, Hydrochinon) gehören in ärztliche Verantwortung.

Kosmetikerinnen dürfen keine medizinische Diagnose stellen, keine krankhaften Hautveränderungen behandeln und keine verschreibungspflichtigen Arzneimittel einsetzen. Vor jeder Behandlung muss der Ausschluss melanozytärer Veränderungen sichergestellt sein.

Welche topischen Wirkstoffe gelten derzeit als besonders effektiv bei der Minderung von Sonnenflecken und PIH, und in welchen Kombinationen setzen Sie sie ein?

Kosmetisch bewährt sind z.B. Niacinamid, Vitamin C, Azelainsäurederivate, Glabridin oder Arbutin. Entscheidend ist, dass an mehreren Schritten der Pigmentbildung gleichzeitig angesetzt wird, von der Melanozytenstimulation über die Melaninsynthese bis zum Melanintransfer, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Zudem sollten antiinflammatorische und antioxidative Komponenten eingebunden werden. In der Dermatologie werden klassisch Hydrochinon, Retinoide, Azelainsäure und ärztlich geführte Kombinationspräparate eingesetzt.

 

Welche Präventionsstrategien empfehlen Sie, um Sonnenflecken und PIH nach Behandlungen zu minimieren? Was kann die Kosmetikerin Ihrer Kundin empfehlen?

Höchste Priorität hat bei beidem täglicher Breitband-UV-Schutz mit SPF 50+. Dieser sollte in ausreichender Menge verwendet werden und mit weiteren Schutzmaßnahmen kombiniert werden: z.B. Hut und Sonnenbrille tragen, Schatten wählen und das Meiden von Mittagssonne. Nach Peelings, Microneedling oder apparativen Behandlungen gilt je nach Behandlungsintensität für mehrere Wochen: keine Sonne, keine Hitze, keine Sauna, keine irritierenden Wirkstoffe, bis die Hautbarriere wieder stabil ist. Produkte mit Ceramiden, Panthenol oder antioxidative Seren ergänzen die Pflege in dieser Zeit sinnvoll. Kosmetiker:innen können vor allem nach intensiven Behandlungen gute Anleitung durch diese Verhaltensregeln geben. Bei PIH ist Vorbeugung entscheidend: Entzündungsreize so gering wie möglich halten, Hautmanipulationen vermeiden und auf erste Reaktionen nach Behandlungen frühzeitig reagieren.

 

Wie gehen Sie mit Hautreaktionen oder Verschlechterungen nach ästhetischen Behandlungen um, die Pigmentveränderungen verursachen könnten?

Bei starker Rötung oder Brennen während der Behandlung sollte diese sofort abgebrochen werden. Anschließend durch sanfte Kühlung und Barrierepflege beruhigen und vor allem keine weiteren Reize setzen. Zeigen sich in den Tagen danach erste Anzeichen einer PIH, gilt: konsequenter Lichtschutz, reizarme Pflege zur Stabilisierung der Hautbarriere, z.B. mit Ceramiden oder Panthenol und sanft nachbehandeln, statt aggressiv mit stärkeren Peelings oder irritierenden Wirkstoffen gegenzusteuern. In Fällen von Blasenbildung, Krusten, Schmerzen, anhaltender starker Rötung, Nässe oder Infektionszeichen immer den Dermatologen hinzuziehen. Dieser kann bei Bedarf kurzzeitig topische Steroide einsetzen, um die Entzündung zu mindern und weiterer Pigmentüberproduktion vorzubeugen.

 

Wie lässt sich der Erfolg einer Pigmentbehandlung objektiv messen und dokumentieren?

Für eine aussagekräftige Verlaufsdokumentation ist bei der allgemeinen Fotodokumentation auf gleichbleibende Bedingungen zu achten: Kamera, Beleuchtung, Abstand, Winkel und Tageszeit sollten bei jeder Aufnahme identisch sein. Etabliert hat sich darüber hinaus die standardisierte Systemfotografie, z.B. mit VISIA®, die diese Parameter bereits vorgibt und damit eine höhere Reproduzierbarkeit bietet. Messgeräte mit Mexameter® oder Chromameter® können den Melanin- oder Erythemgehalt zusätzlich objektiv quantifizieren. In der dermatologischen Praxis erlauben validierte Scores wie MASI/mMASI (Melasma) und PIH-Severity-Indizes einen strukturierten Verlaufsvergleich. Die Dokumentation sollte in klar definierten Abständen erfolgen, z.B. 4, 8, 12 Wochen und unter Berücksichtigung saisonaler Schwankungen.

 

Welche häufigen Fehler sehen Sie bei der Behandlung von Pigmentstörungen (kann in der dermatologischen Praxis, im Institut und/oder der Kundin zu Hause sein)?

Häufige Fehler in der Behandlung von Pigmentstörungen können durch zu aggressive Erstbehandlungen ohne ausreichende Gewöhnungsphase und konsequenten UV-Schutz entstehen. Weitere Risiken sind die gleichzeitige Anwendung zu vieler Wirkstoffe, Behandlungen bei entzündeter Haut sowie Laser-/IPL-Anwendungen bei gebräunter oder ungeeigneter Haut. Im Institut spielen zudem eine unvollständige Kundenbefragung vor der Behandlung eine Rolle, etwa ob die Kundin schwanger ist, bestimmte Medikamente einnimmt, die die Haut lichtempfindlicher machen (z.B. Antibiotika, Johanniskraut oder Vitamin-A-Präparate), oder ob kürzlich eine Akne-Therapie mit bspw. Isotretinoin stattgefunden hat. Ebenfalls kritisch: die Behandlung nicht ärztlich abgeklärter Pigmentierungen und zu kurze Abstände zwischen den Behandlungen. Zu Hause führen insbesondere übermäßige Peelings, das Mischen unverträglicher Wirkstoffe (z.B. Retinol kombiniert mit starken Säuren), unregelmäßiger Sonnenschutz, vorzeitiger Therapieabbruch und Manipulationen der Haut zu Problemen. Auch unrealistische Erwartungen fördern Übertherapie – ein schrittweises Vorgehen und Geduld sind meist der bessere Weg.

 

Welche neuesten Entwicklungen oder Studien zu Sonnenflecken und PIH halten Sie für besonders relevant für die Praxis von Kosmetikerinnen?

Pigmenttherapien entwickeln sich hin zu barriereschonenden, entzündungsarmen Konzepten mit stärkerem Fokus auf Hautvorbereitung, Nachsorge und die Kombination milder Wirkstoffe statt maximaler Reizung. Neu ist dabei auch der Blick auf das Hautmikrobiom: Ein ausgeglichenes Mikrobiom kann über immunologische Signalwege direkt zur Begrenzung von PIH beitragen – ein Ansatz, der die Bedeutung sanfter, mikrobiomschonender Pflege auch in der Nachsorge unterstreicht. Beim Lichtschutz zeigt aktuelle Evidenz, dass nicht nur UV-Strahlung, sondern auch sichtbares Licht und Blaulicht die Melanogenese aktivieren können – getönte Sonnenschutzmittel mit Eisenoxiden bieten hier einen breiteren Schutz als klassische UV-Filter allein.

Welche Rolle spielen Nachsorge und Pflege zu Hause im Langzeiterfolg von Pigmentbehandlungen?

Der Langzeiterfolg von Pigmentbehandlungen steht und fällt mit der Heimpflege. Der Erfolg hängt weniger von einzelnen Behandlungen als von einer konsequenten Heimpflege ab. Sichtbare Verbesserungen brauchen Zeit, meist 12–16 Wochen, und erfordern Durchhaltevermögen.  Entscheidend sind täglicher, sehr hoher Lichtschutz, eine stabile Hautbarriere, antientzündliche Wirkstoffe und realistische Erwartungen. Kosmetiker:innen spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie begleiten die Anwendung, erkennen Überreizungen frühzeitig und können bei Auffälligkeiten rechtzeitig an Dermatolog:innen verweisen.

Quellenangaben:

[1[ Auffret N, Leccia MT, Ballanger F, Claudel JP, Dahan S, Dréno B. Acne-induced Post-inflammatory Hyperpigmentation: From Grading to Treatment. Acta Derm Venereol. 2025;105:adv42925.
[2] Minasyan M, Hogan S, Lal K. Oral Tranexamic Acid for Prevention and Treatment of Postinflammatory Hyperpigmentation. Dermatol Surg. 2024;50(12S):S219-S224.